Drachenarchiv
Hans Snoek
von Arno Haft 1955
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Der Vogeldrachen eignet sich für alle Kinder bis 80 Jahre.
Er hat eine Spannweite von 2,20 m und eine Länge von 1,50 m. Man kann
ihn mit Papier bespannen; dann ist er so leicht, daß er auch bei
geringem Wind schon fliegt. Mit der dauerhafteren Stoffbespannung
darf er etwa 650 g wiegen. Er bringt es zu ganz erstaunlichen Steigleistungen,
wenn man ihn mit einiger Sorgfalt baut.
Der Materialbedarf ist gering.
Man braucht:
2 Tonkinstäbe 13 mm ? 1,20 m
1 Tonkinstäbe 13 mm ? 1,50 m
1 Tonkinstäbe 10 mm ? 0,70m
2 Messingrohre, 1 mm Wandung 0,15 m
Durchmesser den Tonkinstäben angepaßt
Dünner Stoff, Baumwollsatin,
80 cm breit, rot 1,50 m
ebenso, blau 1,50 m
1 Schlauchband, Einfaßband, 6 cm breit 5,00 m
1 Wäscheband, 10 mm breit 4,00 m
4 kleine S-Haken
4 kleine Ringe
1 Stück Gliederkette 0,15 m
1 ausgezogene Mauerschnur 7,00 m
Alles Material ist handelsüblich und in einschlägigen Geschäften
erhältlich.
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Bauanleitung:
Die Flügel des Vogeldrachens haben eine leichte positive V-Stellung.
Sie wird ihnen durch die Biegung der Messingrohre gegeben, die die Tonkinstäbe
des Gerüstes aufnehmen. Man kann Messingrohr von der vorgeschriebenen
Beschaffenheit knickfrei biegen, wenn man eine geeignete Füllmasse
verwendet. Man fertigt sich passende Holzstopfen für beide Rohröffnungen
an, erhitzt eine ausreichende Menge Kolophonium bis zur Verflüssigung
und füllt die heiße Masse ein. Nach dem Erkalten kann
das Rohr z. B. um einen Hammerstiel in einer gleichmäßigen Krümmung
gebogen werden.
In die um 30° angewinkelten Öffnungen der Messingrohre, die
entgratet werden müssen, werden die Tonkinstäbe der Flügel
und des Schwanzes eingepaßt. Den Mittelstab, dessen starkes
Ende nach oben kommt, dreht man über einem leichten Gasfeuer so lange
hin und her, bis er sich erwärmt und biegsam wird. Man biegt
ihn dann so, daß er oben und unten etwa 10 cm von der Geraden abweicht.
Der Bespannungsstoff soll gewaschen sein, damit er später nicht
einläuft. Man faltet eine Bahn in der Längsrichtung um
ihre Mitte und zeichnet die Kontur der einen Hälfte der Bespannung
mit Kreide auf. Der Kopf des Drachens soll oben 30 cm breit sein.
Man mißt also von der Faltkante des doppelt liegenden Stoffes
15 cm nach außen und markiert den erhaltenen Punkt. Dann werden
30 cm entlang der Faltkante gemessen, denn so lang soll der Kopf werden.
Am Halsansatz ist er schließlich 60 cm breit, man muß also
rechtwinklig zur Faltkante 30 cm abtragen.
Weitere Maße sind: Flügeltiefe vom Ende des Kopfes bis zum
Anfang des Schwanzes: 80 cm, Rumpfbreite am Flügelende: 30 cm, Rumpflänge:
1,35 m, Spannweite der Schwanzflosse: 35 cm. Die auf der halben Stoffbahn
eingetragenen Meßpunkte werden durch Linien miteinander verbunden.
Längs der Kontur steckt man die beiden Hälften der Stoffbahn
mit Nadeln zusammen, dann wird zugeschnitten und umsäumt.
Der anders farbige Stoff für die Flügel wird in zwei gleichmäßige
Hälften geteilt, die Rißseite näht man an die beiden Seiten
des Rumpfes. Die Webkanten bilden oben und unten den Abschluß.
Das Schlauchband wird etwas länger als nötig zugeschnitten
und in der Längsrichtung zusammengenäht, so daß das Messingrohr
bequem durchzustecken geht Es bleibt dann noch eine Kante für die
Befestigung am Stoff.
Die Enden des Schlauches können, nachdem die Tonkinstäbe
eingepaßt wurden, zugenäht werden. Am Schlauch des Mittelstabes
unten und an den beiden Querstäben seitlich wird, 2 cm vom Ende, ein
Knopfloch angebracht, durch das man die Stäbe herausziehen kann.
Der Mittelschlauch wird vorn an der Faltkante des Rumpfes angenäht.
Unten soll er 15 cm über den Stoff hinausragen.
Der obere Querschlauch wird so angenäht, daß er, auf der
Mittellinie gemessen, vom oberen Rand einen Abstand von 30 cm hat und zu
den Flügelspitzen führt.
Der untere Querschlauch wird am Ende der Stoffbahn angebracht.
Beide Querschläuche werden von hinten an den Stoff genäht.
Das Kopfstück des Drachens wird schräg geschnitten, dann
näht man ein Stück Mauerschnur ein.
Die Flügelenden werden vom Schlauchende der Spitze, nach unten,
zum Schlauchende am Schwanz, schräg zugeschnitten.
In die obere Kante der Flügel wird eine Schnur eingesäumt,
die an der Spitze am Schlauch befestigt wird. Am oberen Ende der
Schnur wird ein Ring angebracht und mit der Schnur vom Kopf verbunden.
So ist es möglich, die Schnur zu spannen.
An der Außenseite der Flügel wird Wäscheband angenäht,
nachdem die Kante umsäumt wurde. Das Wäscheband soll so
lang sein, daß es durch einen Ring bis zur Spitze des Schwanzes reicht
und von da wieder zurück bis zur Mitte der Flügelhälfte.
Beiderseits des Schlauchbandes am Schwanz werden in Schlaufen nach
unten und oben zwei
S-Haken angenäht. Das eine Ende der S-Haken wird zu einem
Ring zusammengebogen.
An der Spitze des Mittelstabes wird Mauerschnur angebracht, die nach
rechts und links in Gliederketten endet. Die Gliederketten und die
Ringe im Wäscheband werden in die S-Haken eingehängt.
Für die Bucht oder Haltebänder wird. in der Mitte zwischen
dem oberen Querstab und der oberen Spitze am Mittelstab eine kräftige
Schlaufe angebracht. In der Mitte des Schwanzendes, am Mittelschlauch,
desgleichen. In die Schlaufen wird eine kräftige Mauerschnur
eingeknotet, die so lang sein soll, daß sie seitlich zwei Handbreit
über den Drachen reicht. Beide Bänder können in einem
Ring oder in Schlaufen enden. Die obere Halteschnur soll mit dem
Querstab parallel laufen. Genau wild die Bucht erst beim Einfliegen
eingestellt.
An den Enden der Schlauchbänder und an den Spitzen der Flügel
und des Rumpfes kann etwas Stoff zur Verstärkung angebracht werden.
Bei größeren Drachen nimmt man dünnes Leder.
Wenn der Drachen zusammengelegt werden soll, werden die Stäbe durch
die Knopflöcher Bespannung aus den Messingwinkeln gezogen. Die
Bespannung wird eingerollt. Alles in eine kleine Hülle gesteckt,
ergibt ein kleines Paket.
Wird der Drachen zusammengesteckt, muß der Stoff straff gespannt
sein. Die Spannung kann oben an beiden Ringen und unten mit den Ketten
und Haken reguliert werden. Wenn der Drachen aufgespannt ist, macht
man einen Balanceversuch. Bei Windstille soll er aus der Hand sanft
zur Erde schweben, nicht vornüber stürzen oder nach hinten durchsacken.
Der Vogeldrachen wird aus der Hand gestartet. Sollte er schlecht
hochsteigen, so ist der Buchtknoten nach oben zu verschieben. Steigt
er schnell hoch, kreist oben und schwankt hin und her, um schließlich
über Kopf zu gehen, muß der Buchtknoten nach unten versetzt
werden. Neigt er sich nach einer Seite, so muß man auf der
Seite, wohin er fällt, unten am Schwanzende die Ketten kürzer
hängen. Es hat wenig Zweck, die Flügel durch die Ketten
am Wäscheband zu verkürzen, diese sind lediglich dazu da, um
den Drachen zu spannen. Die Ketten müssen auf beiden Seiten
gleich lang sein. Sollten die Flächen zu locker sein, wird der
Drachen seitlich ausscheren und unruhig stehen. Wichtig ist, daß
der Mittelstab den richtigen Bogen hat. Man kann das ausprobieren,
indem man den Drachen hochzieht, um ihn dann mit loser Schnur fallen zu
lassen. Ist er kopflastig, so sind die oberen Druckflächen zu
klein, und man muß den Mittelstab ein wenig nachbiegen. Will
er zum Schwanzende abrutschen, muß der Mittelstab mehr gerade gebogen
werden. Die erforderliche Biegung des Mittelstabes hängt von
der Stoffbespannung ab. Ist er so gespannt, daß nirgends durch
den Winddruck Säcke entstehen, so kann der Stab faßt gerade
bleiben. Wie gut der Drachen fliegt, kann man erst beurteilen, wenn
er mindestens 200 m hoch steht. Er liegt dann auf dein Wind und gibt
nur wenig Zugkraft an Die Leine ab.