Bauplan-Empfehlung
Leichte Pelham-Winde
Die hier beschriebene Drachen-Winde geht auf eine
ähnliche Winde zurück, die von David Pelham im Buch "Drachen"
(dumont 1977) dargestellt wurde. Die Bezeichnung "leicht" ist
dabei durchaus im doppelten Sinne zu verstehen: Die "leichte
Pelham-Winde" wiegt weniger als das Original und ist auch wesentlich
leichter zu bauen. Während es bei Pelhams Winde sehr auf Präzision
ankommt, damit das gute Stück schließlich auch funktioniert, kann bei
dieser Winde nicht so schrecklich viel schief gehen. Allerdings ist die
Pelham-Winde natürlich edler und sieht allemale schicker aus, die
Funktionalität ist bei der leichten aber ebenso gegeben. Meiner Erfahrung
nach ist es auch kein Verlust, dass die Handknäufe nicht frei drehbar
sind, auch die starren lassen sich bequem über die Handfläche drehen.
Die Winde fasst locker 500 Meter Drachenschnur à 90 kg, bzw. immer noch
rund 250 Meter à 150 kg. Natürlich spielt dabei die verwendete
Schnur-Sorte eine große Rolle, für diese Beispiele wurde Schnur vom Typ
Cyclone angenommen.
Die Vorteile einer Winde gegenüber Haspeln oder Spulen liegt im einfachen
und komfortablen Handling der Leine, dem schnellen Ein- und Auswickeln
sowie nicht zuletzt darin, dass keine Verwindung der Schnur durch
"Überdrehen" entsteht.
Die Unterschiede zwischen der Original-Winde und dieser
leichten Version sind insbesondere:
- Verwendung von 5 mm Sperrholz anstelle 9 mm
- Verzicht auf stabilisierende Innen- und
Positionierungsscheiben für das Plastikrohr
- Verwendung von drei statt vier Schlossschrauben
- Verzicht auf die aus mehreren Scheiben bestehende
"abgedeckte" Drehmechanik
- Starre Handknäufe anstelle selbstdrehenden
Handknäufe
- Die freie Achse der Nabe liegt offen, dadurch
entfällt die etwas komplizierte Lagerung der Achse
Materialliste:
(Die Ziffern vor der Zeile entsprechen der Bezeichnung in der Skizze)
- A: 2 Möbelknäufe auf Hartkunststoff
- a: 2 Schloßschrauben 30 mm M6
- B: 3 Sperrholzscheibe 20,5 cm Durchmesser, 5mm stark
(mit unterschiedlichen Bohrungen)
- C: 1 Sperrholzring, 20,5 cm Außendurchmesser, 17cm
Innendurchmesser, 5 mm stark
- D: 1 Stück eines Regenwasser-Fallrohrs, 100 mm
Durchmesser, 73 mm lang (in Abhängigkeit von der verwendeten
Fahradnabe)
- E: 3 Schloßschrauben 90 mm M6 (falls nur 100 mm M6
verfügbar sind, kann gekürzt werden), mit Unterlegscheiben und
Muttern
- F: 1 Stück Gurtband, 5 cm breit, 28 cm lang (in
Abhängigkeit von der eigenen Handgröße)
- G: 4 Holzschrauben 20mm mit Unterlegscheiben 15 mm
Durchmesser
- 1 Fahrradnabe (Vorderrad) mit einer flachen
Kontermutter, einer Mutter, zwei Unterlegscheiben 20 mm Durchmesser
Arbeitsschritte:
- Zunächst werden vier Scheiben Sperrholz mit einem
Außendurchmesser 20,5 cm zugeschnitten. Dieses Außenmaß ist
relativ frei und kann je nach Verwendungszweck der Winde auch
größer oder kleiner ausfallen. Kleiner Tipp: 20,5 cm ist
normalerweise der Durchmesser eines normalen Frühstücks-Tellers,
der also gut als Schablone zum Anzeichen dienen kann.
- Sofern man nicht gerade einen neuen Weltrekord im
präzisen Zuschneiden aufgestellt hat, die vier Scheiben
übereinander legen, mit einer Schraubzwinge sichern und rundherum
abschleifen, bis alle Scheiben exakt gleich sind. Mit einem
Schwingschleifer und grobem Sandpapier geht das erfreulich einfach.
- Vor dem Lösen der Schraubzwinge einen
durchgehenden Streifen über den Rand der Holzscheiben zeichnen
(Filzstift), damit man später die Scheiben wieder in der selben
Symmetrie zusammenbekommt.
- Ebenfalls vor dem Lösen der Schraubzwinge eine
zentrale Bohrung im exakten Mittelpunkt anbringen: Bohrer M 10.
- Zwei Scheiben entfernen, die verbleibenden zwei
wieder fixieren und durch diese drei Bohrungen für die
Schlossschrauben gemäß Skizze anbringen: Bohrer M6. Die Bohrung in
der Mitte zentriert auf 25 mm Durchmesser vergrößern (diese
Bohrung muss nicht exakt diesen Durchmesser haben: er sollte so
groß sein, dass Kontermutter und Lager der Fahrradnabe sich frei
darin bewegen können und so klein, dass der Kranz der Nabe sicher
darauf stehen kann. Das Loch kann mit einem entsprechenden
Fräsenaufsatz für die Bohrmaschine, falls nicht vorhanden mit
einer Laubsäge geschnitten werden. Übrigens ist es auch beim
Bohren der Löcher für die Schloßschrauben hilfreich, die Scheiben
auf die vorher angezeichnete Markierung am Scheibenrand
auszurichten; auf diese Weise sind kleinere Abweichungen in der
Symmetrie der Löcher nicht so schlimm, wenn die Scheiben hinterher
anhand der Markierung zusammengebaut werden)
- Aus einer der anderen beiden Scheiben ein
Innenkreis von ca. 17 cm ausschneiden, so daß ein Ring (C)
entsteht.
- Ring und die Scheibe mit der kleinen Bohrung
verleimen, trocknen lassen.
- Alle Holzscheiben einmal überschmirgeln und dann
gründlich und mehrfach lackieren, am besten mit wasserfestem
Bootslack.
- Innenrohr zuschneiden: ACHTUNG: Das Rohr MUSS exakt
die Länge haben, die zwischen den beiden Wangen der verwenden
Fahrradnabe besteht (siehe Skizze). Ist
das Rohr zu lang, kann die Nabe sich nicht richtig drehen, ist es zu
kurz, verrutscht das Rohr in der zusammengebauten Winde. Ist dies
der Fall, muss das Rohr durch entsprechende Ringe in der richtigen
Position gehalten werden (wie das Pelham im Original auch vorsieht).
Wenn das Rohr die richtige Länge hat, sitzt es unter Spannung in
der Winde und kann, bevor die Schrauben vollständig angezogen
werden, in den Mittelpunkt gerückt werden. (Übrigens kann man
streng genommen völlig auf das Innenrohr verzichten und die Schnur
nur auf den die Wangen verbindenden Schlossschrauben aufwickeln.
Dabei sollte allerdings der Abstand der Schrauben zueinander
größer gewählt und sollten auch vier anstelle von drei Schrauben
verwendet werden. Nachteil: Die Schnur läuft nicht rund ab, die
Schrauben können bei Feuchtigkeit innen allmählich rosten und
damit die Schnur beeinträchtigen.)
- Überstehendes Ende der Fahrradnabe über der
Kontermutter absägen (Das ist gehärteter Stahl: Viel Spaß beim
Sägen. Wie schön, wenn man eine Flex hat...)
- Die Wangen der Winde, die Nabe und das Rohr gemäß
Skizze mit den Schlossschrauben zusammenbauen.
- Zwei gegenüberliegende Bohrungen 6 mm in die
Außenwange der Wind, diametral gegenüber. Möbelknäufe anbringen.
- Kontermutter über die Nabe schrauben, die
"starre" Wange der Winde darüber setzen. Die Wange sollte
sich frei über der Winde bewegen können, aber auch nicht zu hoch
darüber liegen. Im Idealfall ergibt sich ein Spalt von rund 1 mm
zwischen starrer Wange und Winde, sofern die Scheiben aneinander
reiben, den Abstand entsprechend etwas vergrößern.
- Starre Wange verschrauben, Mutter fest anziehen.
- Gurtband an den Enden dreifach falzen (siehe Skizze)
und mit Holzschrauben 20 mm und breiten Unterlegscheiben auf der
starren Wange befestigen. Vor dem endgültigen Befestigen der
Handführung testweise Hand einführen und individuell auf die
Handgröße anpassen. Die Hand sollte leicht hindurch geführt
werden können, die Fingerspitzen müssen noch bequem den Außenrand
erreichen können, ohne dass die Winde aus der Hand rutschen kann.
- Sich freuen, dass das Ding so verblüffend leicht
in der Hand rollt...
- Die Kumpels auf der Wiese neidisch machen.
Lothar.Meyer, 1999